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Die FC Bayern Frauen bejubeln den Sieg über Wolfsburg
© FC Bayern / Eva Dippold

Statement im Gipfeltreffen: Was der Topspielsieg der FCB-Frauen wirklich aussagt

Als Schiedsrichterin Riem Hussein kurz nach 17 Uhr zur Pause pfiff, senkte sich über den FC Bayern Campus eine Stille, wie man sie so eigentlich nicht kennt. Kein Gemurmel, kein zorniges Raunen, eher ein ernst gespannter Moment zwischen Momentum und Hoffnung. Die Münchnerinnen verschwanden im Kabinentrakt, 0:1, sichtlich irritiert. Ein Augenblick, den die FCB-Frauen so in dieser Bundesliga-Saison noch nie erlebt haben. Aber alles war noch offen. Und genau darin lag die Chance dieses Nachmittags.

Wolfsburgs erste Halbzeit: das durchgearbeitete Argument

Klara Bühl während des Heimspiels gegen den VfL Wolfsburg.
Kein einfacher Auftakt: Klara Bühl und Kolleginnen hatten im ersten Spielabschnitt ihre Probleme mit den agilen Wolfsburgerinnen. | © Imago

Der VfL Wolfsburg überraschte im Zuge der ersten 45 Minuten. Mit mächtig Selbstvertrauen aus Turin angereist, wo dank eines 2:0-Erfolgs der Einzug ins Achtelfinale der Champions League gefeiert worden war, zeigte sich die Elf von Stephan Lerch zunächst unbeeindruckt ob der Größe des Duells. Stetiges Pressing, Pässe in jene Zonen, die Bayern ungern öffnet. Die Wölfinnen trieben die Münchnerinnen in Ungenauigkeiten, rissen die Fugen im Mittelfeld auf, verknappten die Entscheidungszeit. Die Führung durch Kessya Bussy kam überraschend, war aber kein Zufall, sondern die logische Folge eines Plans. Bayern hatte Momente – Pernille Harders Präsenz, Klara Bühls Dribbelmut - doch sie blieben zunächst Skizzen ohne Erfolg. Wolfsburg verteidigte, wie Mannschaften verteidigen, die an ihr eigenes Konzept glauben: konzentriert, ruhig, mit einer Selbstverständlichkeit, die über Jahre eingeübt wurde. Zur Pause schien der Herausforderer das Drehbuch in den Händen zu halten. Die Frage war nicht, ob Bayern antwortet, sondern wie. Und mit welcher Tonlage.

Kabine als Werkstatt

Franziska Kett während des Heimspiels der FCB-Frauen mit dem Ball am Fuß.
Trug auch Anteil am Heimsieg: Franziska Kett bereitete den Treffer zum 2:1 durch Jovana Damnjanović vor. | © FC Bayern / Eva Dippold

Was in der Kabine gesagt, verschoben, verknüpft wurde, bleibt geschützt. Aber die zweite Halbzeit war so klar, dass fast klar wurde, was zur Sprache gekommen war. Der FCB kehrte nicht einfach zurück. Die Barcala-Elf kam als korrigierte Version ihrer selbst. Plötzlich stimmten die Abstände, die Passstafetten bekamen Kontur, die Zweikämpfe wurden entschieden geführt, das Tempo verschärfte sich. Es war kein hektisches Aufbegehren, sondern eine kontrollierte Aufwärtsbewegung. Der innere Schalter, er machte „Klick“ – und mit ihm das ganze System. Wolfsburg wurde tiefer gedrängt, musste reagieren statt agieren. Die Doublesiegerinnen erhöhten die Frequenz, körperlich und gedanklich.

Damnjanović mit dem richtigen Riecher

Jovana Damnjanović bejubelt ihr Tor gegen den VfL Wolfsburg
Trug sich gegen ihren ehamligen Arbeitgeber gleich doppelt in die Torschützinnenliste ein: Jovana Damnjanović. | © FC Bayern / Eva Dippold

Dann jenes kurze Momentum: Jovana Damnjanović, dienstälteste Münchnerin, trat aus dem Schatten und stellte den Verlauf neu. Minute 54: Antizipation als kleine, aber entscheidende Größe im Fußball. Ein Abschlag von VfL-Schlussfrau Stina Johannes, ein Block. Und plötzlich war er da, der Ausgleich. Minute 56: Franziska Kett mit der präzisen Flanke, einmal mehr war die Nummer neun der FCB-Frauen zur Stelle. Zwei Tore, zwei Minuten, gegen den früheren Klub. Genau deshalb ist dieser Sieg mehr als ein bloßer Sieg in dieser Saison. „Es ist ein sehr geiles Gefühl, solch ein Spiel 4:1 zu gewinnen. Ich glaube, heute sind wir alle sehr glücklich“, sagte die Doppeltorschützin im Anschluss mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Der Fußball kann hart sein. Und im nächsten Atemzug wunderschön. Die Serbin zeigte dies in jenem Moment in Perfektion. Der Campus verwandelte sich in ein Freudenhaus. Von der Halbzeitstille war plötzlich keine Spur mehr. Der Doppelschlag verschob nicht nur das Ergebnis auf der Anzeigetafel, er veränderte den Modus: Unsicherheit wich Mut, Mut wurde zur Energie. 

Die FC Bayern Frauen bejubeln ein Tor gegen Wolfsburg.
Ekstase pur nach der furiosen zweiten Halbzeit der Münchnerinnen vor heimischer Kulisse am Campus. | © FC Bayern / Eva Dippold

„Das ist typisch Jovi. Auch die Emotionen, die danach rauskamen. Ich freue mich unglaublich für sie. Sie hat sich diese Tore hart erarbeitet“, sagte Giulia Gwinn im Anschluss an das Gipfeltreffen. Und auch Abwehrchefin Glódís Viggósdóttir ordnete das Geschehen ein: „Wir haben in der ersten Halbzeit nicht unsere beste Leistung gezeigt. Wir hatten Probleme im Aufbauspiel, aber uns war vor dem Spiel bewusst, dass es ein schwieriges Duell werden würde. Wir haben unsere Routine ausgespielt und sind ruhig geblieben. Und zur Doppeltorschützin selbst wählte die Kapitänin nur wenige, aber sehr kraftvolle Worte: Jovi ist eine unglaubliche Spielerin. Sie steht wie kaum eine andere für die Werte des FC Bayern.“

Das Momentum gehört Bayern

Klara Bühl bejubelt mit Georgia Stanway ihr Tor gegen Wolfsburg.
Klara Bühl markierte gegen den VfL ihr 50. Tor im Dress der Doublesiegerinnen. | © FC Bayern / Eva Dippold

Wolfsburg versuchte, sich zu sammeln, doch der Doppelschlag hatte die Statik des Spiels löngst verschoben. Stanway legte in der 70. Minute nach, markierte den dritten Bayern-Treffer des Tages. Spätestens jetzt waren die Münchnerinnen nicht mehr nur Gastgeberinnen, sondern die Regisseurinnen. Der VfL wirkte, verglichen zur ersten Halbzeit, einen Schritt später, einen Gedanken hinterher. Zehn Minuten vor Spielende setzte Klara Bühl dem Spiel mit ihrem Treffer final den Stempel auf. 4:1, ihr 50. Tor im Bayern-Trikot. „Es war ein sehr schönes Gefühl. Ich bin auf den Geschmack gekommen, was das Tore schießen angeht“, sagt sie im Anschluss an die Partie schmunzelnd. „Es war für uns sehr ungewohnt, wie Wolfsburg aufgetreten ist. Die erste Halbzeit hat ihnen recht gegeben. Aber im zweiten Durchgang haben wir die Partie gedreht. Es war für uns vielleicht auch eine neue Erfahrung, der nächste Schritt auf diesem Niveau“, so die 25-Jährige.

Alle guten Dinge sind drei

Die FC Bayern Frauen bejubeln den Heimsieg über den VfL Wolfsburg.
Ein weiterer Schritt Richtung Titelverteidigung - und vielleicht auch zu mehr? Die Münchnerinnen hatten nach dem Heimsieg über Wolfsburg mächtig Grund zur Freude. | © FC Bayern / Eva Dippold

Es war der dritte Sieg gegen Wolfsburg in dieser Saison: Supercup, Liga-Hinspiel, nun dieses 4:1. 17 Siege aus 18 Spielen in der deutschen Beletage, die Führung in der Google Pixel Frauen-Bundesliga auf 14 Punkte ausgebaut: Zahlen, die die bis dato so starke Saison der Bayern unterstreichen. Auch an diesem Nachmittag zeigten die Münchnerinnen ihre Klasse, trotz Rhythmusstörung zu Beginn der Woche, trotz verlorener erster Halbzeit, trotz eines Gegners, der den Münchnerinnen in den vergangenen Jahren ein ums andere Mal Schwierigkeiten gemacht hat – denkt man beispielsweise an das DFB-Pokal-Endspiel im Jahr 2024 zurück. 

Vor der Pause, vor den entscheidenden Wochen

Nun folgt die Länderspielpause. Danach warten Pokal, Liga, das Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester United. Wochen, in denen Titel auch schnell verloren gehen können. Gerade deshalb ist die Art dieses Sieges bedeutsam: Bayern hat ein Spiel mit Ruhe gedreht, mit Überzeugung. Ein Team, das dies kann, wird schwer überrascht. Auch deshalb darf man sich auf die kommenden Wochen freuen, und gespannt sein, was da noch kommt. 

🗞️ Der Spielbericht zum Aufeinandertreffen mit dem VfL Wolfsburg: 

👀 Jovana Damnjanović im Fokus:

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