



Leverkusens Rekordspielerin in Diensten des FCB
Zwischen Frühschicht und Strafraum: Anna Klinks besonderer Fußballalltag
Um sieben oder acht Uhr ist Anna Klink oft schon bei der Arbeit. Während andernorts der erste Kaffee noch auf sich warten lässt, sitzt die Torhüterin der FC Bayern Frauen bereits am Rechner. Zwei Stunden später geht es zum Training an den Campus, danach meist zurück an den Schreibtisch. Wenn sie weiß, dass am nächsten Tag wenig Luft bleibt, arbeitet sie manchmal auch etwas vor. Die 31-Jährige macht daraus keine Heldengeschichte. Sie nennt es Timing. Und klingt, als habe sie den Tagesablauf weniger bezwungen als sorgfältig mit ihm verhandelt. Doch ein regulärer 40-Stunden-Job neben dem Fußball ist alles – aber nicht zwingend gewöhnlich.
„Ich arbeite Vollzeit, bin aber gleichzeitig sehr flexibel unterwegs“, sagt sie über ihren Beruf. Klink arbeitet im administrativen Bereich, im Umfeld des Personalwesens. Ihre Ausbildung zur Bürokauffrau machte sie beim Pharma-Konzern Bayer. Die Lehrjahre absolvierte sie in einem Modell, das Beruf und Fußball verband: Zweimal pro Woche wurde sie für das morgendliche Training freigestellt. Nach ihrer Ausbildung fragte ihr heutiger Arbeitgeber Covestro Klink an. Ihre Chefin habe den sportlichen Weg mitgetragen – trotz früher Trainingseinheiten, des Wechsels nach Basel und schließlich des Schritts nach München.
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Ich arbeite Vollzeit, bin aber gleichzeitig sehr flexibel unterwegs. Irgendwann nach dem Fußball wartet auch eine andere Aufgabe. Ich bin froh, dass ich darauf schon etwas vorbereitet bin.Anna Klink
Der Beruf verschafft Klink manchmal einen gesunden Abstand. „Man verkopft sich in Dingen, gerade im Spitzensport“, sagt sie. Zwei misslungene Pässe oder ein Gegentor können einen beschäftigen. Bei der 31-Jährigen wartet zu Hause eigentlich immer der Rechner – und damit eine andere Art von Aufgaben. Gerade ihr, sagt sie, helfe das, weil sie dazu neige, Dinge zu zerdenken. Zugleich sei die Arbeit ein Blick voraus: „Irgendwann nach dem Fußball wartet auch eine andere Aufgabe. Ich bin froh, dass ich darauf schon etwas vorbereitet bin.“
Leverkusen: ein Verein, der beim Erwachsenwerden dabei war

Klink kam 2009 mit 14 Jahren in die Jugend von Bayer 04. Mit gerade einmal 16 debütierte sie gegen den HSV in der Bundesliga. Vierzehn Jahre blieb sie, wurde Stammtorhüterin und Führungsspielerin. 179 Pflichtspiele bestritt sie für die Werkself – bis heute Vereinsrekord. Was ihr als Erstes einfällt, wenn sie an ihre jahrelange sportliche Heimat denkt? „Schon so ein Stück weit Familie.“ Der Verein habe sie neben ihren Eltern „mit großgezogen“, sagt die im unweit entfernten Engelskirchen aufgewachsene Klink. „Ich bin dort erwachsen geworden.“ Das ist eine andere Maßeinheit als Vertragslaufzeiten: die Zeit zwischen 14 und 28, zwischen Jugendspielerin und erwachsener Frau.
Klink erlebte Aufstiege und Abstieg, gute und schlechte Zeiten. 2017 ging sie mit der Mannschaft in die zweite Liga, ein Jahr später gelang der direkte Wiederaufstieg. 2021/22 erreichte Bayer das DFB-Pokal-Halbfinale und schied erst im Elfmeterschießen gegen Turbine Potsdam aus. 2023 wechselte sie schließlich in die Schweiz, nach Basel. Leverkusen zu verlassen, sei ihr „alles andere als leichtgefallen“, sagte sie damals. Der Kontakt zu den Verantwortlichen Fernando Carro, Linda Schöttler und Achim Feifel sowie zu früheren Wegbegleitern ist bis heute gut.
In München: Erfahrung muss nicht laut sein

Ich wollte bewusst meine Komfortzone verlassen. Dass meine Rolle beim FC Bayern anders sein würde, war mir von Anfang an klar. Ich möchte meine Erfahrung einbringen, mit den jungen Torhüterinnen arbeiten und meinen Teil zum Erfolg der Mannschaft beitragen.Anna Klink
Nach zwei Jahren in der Schweiz kam Klink 2025 nach München. In Leverkusen und Basel war sie lange die Nummer eins; ihre Rolle beim FC Bayern beschreibt sie knapp und mit einem Lächeln: „Nummer drei.“ Klink ist eine stille Beobachterin, sagt sie, und da, wenn man sie brauche. Die jungen Keeperinnen müssten sportlich nicht zwingend von ihr lernen – sie sind Weltklasse-Torhüterinnen. Was sie einbringen kann, liegt eher auf persönlicher Ebene: Erfahrung und den Blick einer Spielerin, die im Fußballgeschäft schon einiges miterlebt hat.
Auch mit den Torhüterinnen der zweiten Mannschaft ist Klink im Austausch – und regelmäßig selbst auf dem Platz. Was sie den jungen Torhüterinnen mitgeben möchte? Dass man den Spaß am Spiel nicht zwischen den Pfosten zurücklässt. Das bewundert sie vor allem bei Bayerns Nummer eins Ena Mahmutovic. Diese „kindliche Leichtigkeit und ihr intuitives Spiel“ habe sie im Tor so noch nie erlebt. Klink hofft, dass sich viele Keeperinnen genau das bewahren: den Mut, dem eigenen Instinkt zu vertrauen – und die Freude daran, den Kasten sauber zu halten.
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Für Bayern zu spielen heißt: den eigenen Teil beitragen
Klink hat 2025 bewusst die Komfortzone verlassen. Dass ihre sportliche Rolle in München anders sein würde, sei ihr von Anfang an klar gewesen – und gerade das habe sie gereizt. Der Wechsel zu einem Verein, den sie schon als Kind bewundert hat, schließt einen Kreis. Nicht zuletzt spielte ihr Vorbild Manuel Neuer schon in Kindheitstagen beim FCB. Bei ihrer Verpflichtung sagte sie, sie wolle ihre Erfahrung einbringen, mit den jungen Torhüterinnen arbeiten und ihren Teil zum Erfolg der Mannschaft beitragen. Bescheiden formuliert, aber keine kleine Ambition: Sie will im Training, im Miteinander und im täglichen Betrieb stets helfen.
Ein Wiedersehen ohne Schonprogramm

Am Sonntag empfangen die FC Bayern Frauen Bayer 04 Leverkusen zum DFB-Pokal-Achtelfinale (15 Uhr im Liveticker auf fcbayern.com & in der FC Bayern App). Klink beschreibt die Werkself als Mannschaft mit hoher Intensität. Trainer Roberto Pätzold lege Wert darauf, dass das Team körperlich fit sei und das Tempo über 90 Minuten hochhalte. „Das schaffen nicht so viele Mannschaften.“ Das Ligaspiel im September bestätigte den Eindruck: Bayern gewann in Leverkusen 3:2, nachdem die Münchnerinnen zweimal zurückgelegen hatten. Alara traf kurz vor Schluss zum Sieg – wie schon zwei Jahre zuvor an selber Stelle.
Auch im Pokal erwartet Klink eine schwere Aufgabe. Leverkusen werde „über 90 Minuten alles geben“. Die Mannschaft kann „eklig“ spielen – im Fußball durchaus als Kompliment zu verstehen. Die Entwicklung der Rheinländerinnen findet sie sehr spannend. Leverkusen habe sich verstärkt, verfüge über viele junge Talente und spiele um die oberen Plätze mit. Am Sonntag treffen so zwei Wahrheiten aufeinander: Für Klink ist Leverkusen ein Verein, der sie geprägt hat; für Bayern ist Bayer 04 der Gegner auf dem Weg ins Viertelfinale. Für die Rekordspielerin ist es die seltene Gelegenheit, Herkunft und Gegenwart in einem Spiel zusammenzubringen. Am Freitag wird Klink vielleicht noch den Kalender prüfen oder eine Mail beantworten, am Samstag wartet das Abschlusstraining. Dann aber gehört der Sonntag ganz dem Pokal.
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So verlief das Premierenduell zwischen den FCB-Frauen und Bayer Leverkusen:
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