

An einem Abend wie diesem wirkt selbst ein Theater ein wenig wie ein Stadion. Im London Palladium glänzte der Ballon d‘Or im Scheinwerferlicht; auf den Rängen saßen die Namen, die eine Saison geprägt haben. Die prestigeträchtige Verleihung feiert ihre 70. Ausgabe, erstmals in London – auch als Verbeugung vor Stanley Matthews, dem ersten Preisträger im Jahr 1956. Auf der Shortlist standen unter den besten 30 drei Namen aus München: Pernille Harder, Klara Bühl und Momoko Tanikawa, die beim Erfolg von Alexia Putellas auf Platz 7, sowie auf den Rängen 12 und 23 landeten. Auch die FC Bayern Frauen waren als Mannschaft für das Team des Jahres nominiert. Jene Auszeichnung ging an die Champions-League-Siegerinnen vom FC Barcelona.
Drei Spielerinnen eines Vereins auf einer Shortlist: Das ist Anerkennung für jede Einzelne – und ein Zeichen für die Qualität der Mannschaft. Schon 2024 waren mit Glódís Viggósdóttir, Lea Schüller und Giulia Gwinn gleich drei Münchnerinnen nominiert. Was damals bereits eine Auszeichnung war, bestätigte sich nun: Die Münchnerinnen gehören zu den besten Teams des europäischen Fußballs. Es war für die FC Bayern Frauen ein Abend in London, der zeigte, wie viel beim FCB in den vergangenen Jahren entstanden ist.

Pernille Harder: Die Kunst, im richtigen Moment da zu sein
Pernille Harder: Die Kunst, im richtigen Moment da zu sein

Pernille Harder schien in der vergangenen Saison stets aufzutauchen, wenn ein Spiel nach einer Antwort suchte: Mit klugen Laufwegen band sie Abwehrspielerinnen, öffnete Räume und war zur Stelle, wenn der Abschluss gefragt war. In der Bundesliga traf sie 16-mal und belegte mit Selina Cerci Rang zwei der Torschützinnenliste – nur ein Tor fehlte zur Spitze. Acht weitere Treffer erzielte sie in der Königinnenklasse; die zweimalige Europas Fußballerin des Jahres wurde zudem ins UEFA-Team der Saison berufen. Über alle Wettbewerbe hinweg kam sie auf 28 Tore, mehr als jede andere Bayern-Spielerin.
Doch Harders Wert ließ sich nicht auf Tore reduzieren: Sie verband Angriffe, war auch ohne Ball präsent. Bianca Rech nennt sie nicht zu unrecht eine „ruhige Leaderin“. Wie viel in dieser Ruhe steckte, zeigte sich mitunter auch im Viertelfinal-Hinspiel in Manchester, als Harder beim 3:2 gegen Manchester United zweimal traf – unbekümmert und kaltschnäuzig. Doch selbst ihr Torjägerinnen-Instinkt braucht Mitspielerinnen, die den entscheidenden Moment erkennen und den Ball dorthin bringen – in Old Trafford hatte nach Harders Doppelschlag die junge Momoko Tanikawa ihren großen Auftritt.

Klara Bühl: Wenn Tempo zum Gedanken wird
Klara Bühl: Wenn Tempo zum Gedanken wird

In der Saison 2025/26 prägte Klara Bühl den linken Flügel wie kaum eine andere: Sie beschleunigte, band Gegenspielerinnen und fand oft den entscheidenden Pass oder Abschluss. Beim 3:2 gegen den damaligen Champions-League-Sieger Arsenal bereitete sie etwa nach einem 0:2-Rückstand alle drei Bayern-Treffer vor. Mit acht Assists war sie die beste Vorlagengeberin des Wettbewerbs und trug maßgeblich zum Halbfinaleinzug bei. Auch auf nationalem Terrain in der Bundesliga setzte sie Maßstäbe: 14 Vorlagen bedeuteten Ligabestwert, dazu erzielte sie sieben Tore. Mit 21 direkten Torbeteiligungen belegte sie Rang drei der Scorerinnenliste.
Ihre Zahlen spiegeln ihr Gespür für Räume und Mitspielerinnen wider: Sie schlug nicht einfach Flanken, sondern erkannte Lücken und spielte den entscheidenden Pass oftmals, bevor er für andere sichtbar wurden. „Sie ist in der Lage, Spiele zu entscheiden“, sagt Bianca Rech, Direktorin der FC Bayern Frauen, über die 25-Jährige. Bundestrainer Christian Wück hob zuletzt ihre Beidfüßigkeit hervor: „Ich kenne keinen Fußballer, keinen männlichen Fußballspieler, der so beidfüßig ist wie sie.“ Doch damit ein geöffneter Raum zum Erfolg führt, braucht es auch jemanden, der ihn im richtigen Moment besetzt. Eine gewisse Dänin im Dress der Bayern schien dabei oft schon loszulaufen, ehe die Lücke überhaupt zu erkennen war.

Momoko Tanikawa: Ein Augenblick mehr
Momoko Tanikawa: Ein Augenblick mehr

Tanikawa begegnet Druck in der Regel mit feiner Technik statt Hast und scheint dabei stets einen Augenblick mehr Zeit zu haben als andere. Für Bayern erzielte sie acht Bundesliga- und zwei DFB-Pokal-Tore; wettbewerbsübergreifend kam sie auf 13 Treffer und sechs Vorlagen. Ihr prägnantester europäischer Auftritt begann in Manchester aber zunächst auf der Bank: Nachdem die Red Devils zweimal ausgeglichen hatte, bereitete die Kreativspielerin einen Angriff mit vor und erzielte in der 84. Minute den Siegtreffer zum 3:2. Nur wenige Tage zuvor hatte die heute 21-Jährige mit Japan den Asien-Cup gewonnen – im Finale gegen Australien machte ein knappes 1:0 den Unterschied. Der Jetlag? Für sie offenbar nur ein kurzer Zwischenstopp: Sie schüttelte ihn locker ab.
Trainer José Barcala lobt seit jeher ihre Ruhe am Ball mehrfach: „Momoko ist eine außergewöhnliche Spielerin. Sie fühlt sich mit dem Ball auch unter Druck so wohl.“ Tanikawas Tor im Theatre of Dreams war einer dieser besonderen Momente der letzten Saison – und zugleich mehr: Eine Einwechselspielerin entschied die Partie, weil eine Mannschaft ihr den Raum dafür geschaffen hatte.
Drei Spielerinnen – und eine Mannschaft, die Geschichte schrieb

Bühl gab dem Spiel den Schub und den entscheidenden Pass, Harder fand die Räume und wusste, wann daraus ein Tor werden musste, Tanikawa entdeckte selbst im engsten Moment eine Lösung. Gemeinsam prägten sie Bayerns erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte: 24 Bundesliga-Siege, zwei Unentschieden und keine Niederlage. Dazu kamen der DFB-Pokal-Erfolg ohne Gegentreffer sowie der Halbfinaleinzug in der Königinnenklasse.
Ohne die drei wäre diese Spielzeit nicht dieselbe gewesen – doch ihre Klasse entfaltete sich im Zusammenspiel mit dem ganzen Team: Die Abwehr schloss Räume, Mitspielerinnen erkannten Laufwege und der Kader gab José Barcala Möglichkeiten, auf Belastungen und Rückschläge zu reagieren. „Ich bin so stolz auf diese Spielerinnen. Es ist ein Privileg, hier zu arbeiten“, sagte Barcala am Ende der vergangenen Spielzeit. Dass die Münchnerinnen als Team des Jahres nominiert waren und mit Bühl, Harder und Tanikawa gleich drei Spielerinnen auf die Shortlist brachte, passte dazu.
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WIr sprachen vor dem kommenden Champions League-Spiel gegen Real Madrid mit Melanie Leupolz:
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