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Der FCBB 1968 im Spiel gegen Gießen
© Werek/Imago

Pioniere aus Trümmern: Der FCBB ist 80 Jahre alt

Die Bundesliga feiert soeben ihre 60. Saison. Doch der Basketball bei Bayern ist noch ein wenig älter – er wird an diesem Sonntag 80 Jahre alt. Denn die Basketball-Abteilung des FC Bayern München wurde am 1. März 1946 gegründet. Kurz nach dem größten Horror, den die Menschheit erlebte. Eine Rückschau.

Auch München liegt bei Kriegsende in Trümmern, die 73 Luftangriffe der Alliierten in den Jahren 1944 und 1945 haben mehr als 300.000 Menschen ihr Zuhause und viele Tausende ihr Leben gekostet.

Franz Kronberger, die treibende Kraft hinter der Abteilungsgründung, hat den zweiten Weltkrieg ebenfalls nicht unversehrt überstanden: Eine Kriegsverletzung beendet seine Karriere als Fußballer. Beim FC Bayern, nach der Auflösung aller Sportvereine durch den Alliierten Kontrollrat gerade erst wieder neu gegründet, findet er aber als Basketballer eine neue Heimat.

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Basketball hat in München eine fast 100-jährige Tradition  

Dieser Sport hat in München eine fast hundertjährige Tradition: Schon in den 1930er Jahren gibt es hier erste Ambitionen im Basketball. Handballer bei Vereinen wie dem MTSV Schwabing und Jahn München spielen den neuen Sport, den 1891 in den USA der kanadische Pädagoge James Naismith erfand und den damals insbesondere eine Gruppe peruanischer Studenten an der Isar populär macht. Ehe der Nazi-Terror und der herannahende Weltkrieg alles in den Hintergrund drängt.

Nach Kriegsende etabliert sich der Korbsport vor allem in den Universitätsstädten der amerikanischen Besatzungszone: Gießen, Heidelberg, Bamberg, Bayreuth, Würzburg, der Großraum Stuttgart – noch heute finden sich diese Orte auf der Landkarte des deutschen Basketballs.

Doch sein Herz schlägt nach dem Krieg in München, das in den kommenden Jahren auch Sitz des DBB und der FIBA sein sollte: Der erste deutsche Meister heißt 1947 Schwabing, ebenso 1949. Bei der Basketball-EM 1951 wird Kronberger mit der DBB-Auswahl, in der ein starker Münchener Block vertreten ist, in Paris nach Siegen über Schottland und Portugal am Ende Zwölfter.

Bundesliga-Derbys gegen 1860 und Schwabing

1954 legt der FCBB den Grundstein für den nächsten Schritt: Er verstärkt sich mit Markus Bernhard, der gemeinsam mit seinen DBB-Kollegen Ulrich Konz und Rudi Hohner aus Schwabing zu den Bayern wechselt. Bernhard ist ein Ausnahmesportler: 1952 und 1955 wird er Weltmeister – im Feldhandball! Auch in dieser Sportart läuft er in der obersten Klasse für den FCB auf. Dass Bernhard ein Roter wurde, lag angeblich auch daran, dass die Bayern in diesen Jahren bereits Trainingsjacken hatten.

Diese sollten sich als gute Investition erweisen: Sowohl 1954 als auch 1955 heißt der Deutsche Basketballmeister: Bayern München. Diese ersten Titel dokumentieren die lange Tradition des Sports im Verein. Einzig die Basketball-Abteilung des USC Heidelberg war bereits gegründet, als der FCBB seine erste Meisterschaft feierte – alle anderen Klubs, die heute im Oberhaus antreten, sind samt ihren Stammvereine und Vorläufern jünger.

Der FCBB gehört natürlich im Herbst 1966, als Südmeister und Halbfinalist der Meisterrunde der Vorsaison, auch zu den 20 Gründungsmitgliedern der Bundesliga, ehedem noch aufgeteilt in eine Nord- und Südstaffel. Ebenfalls dabei: Schwabing und der TSV 1860. Beim Bundesliga-Debüt gibt es eine 42:43-Niederlage im Derby gegen Schwabing.

Zwei Jahre später führt Kronberger, inzwischen Trainer, die Bayern um Nationalspieler wie Hansjörg „Gigs“ Krüger, Klaus Schulz oder Dieter Schneider zum Pokalsieg gegen den MTV Wolfenbüttel. Es sollte für viele Jahre der letzte Titel bleiben.

Die Gründungsmannschaft der Bayern-Basketballer - nur acht Jahre später folgte der erste Meistertitel
Die Gründungsmannschaft der Bayern-Basketballer - nur acht Jahre später folgte der erste Meistertitel | © FCBB

Rauch pusht Hoeneß und Hoeneß die Mitglieder

Als etwa 1972 die gesamte (Sport-)Welt auf München schaut, gibt in der Olympiastadt der USC München den Ton an. Er erreichte schon im Jahr davor das Endspiel und hat vier Nationalspieler in seinen Reihen. Größter Name ist Holger Geschwindner, der die DBB-Equipe im Spätsommer als Kapitän in die neu erbaute olympische Basketballhalle führt – dort, wo einige Jahre später der Westpark um sie herum entstehen sollte.

Der FCBB? Steigt 1974 ab in die damals zweitklassige Regionalliga, schafft es Ende der Achtziger noch einmal kurz in die Beletage, spielt jedoch fortan vornehmlich im gehobenen Amateurbereich.

In Bernd Rauch, dem damaligen Vizepräsidenten des FC Bayern, haben die Basketballer in den 2000er-Jahren dann aber einen im Wortsinn glühenden Fürsprecher. Er entwirft nach einem Austausch mit Paul Breitner über dessen Zeit bei Real Madrid die Vision einer weiteren Profisparte unter dem roten Dach – und er redet vor allem immer wieder auf Uli Hoeneß ein.

1968 wurden die Bayern Pokalsieger - der letzte Titel für viele Jahre
1968 wurden die Bayern Pokalsieger - der letzte Titel für viele Jahre | © FCBB

Der Boss stimmt schließlich einer Mitgliederbefragung zu, damit Rauch endlich Ruhe gibt. 23.000 machen mit – und 75 Prozent sprechen sich tatsächlich dafür aus, der Sparte eine Anschubfinanzierung zu geben. Danach sollten die Basketballer wieder selbst für ihre Finanzierung verantwortlich sein – wie es heute auch der Fall ist

Hoeneß indes überlässt damals nichts dem Zufall. Der damalige Bundestrainer Dirk Bauermann und Topprofis wie Steffen Hamann und Demond Greene werden engagiert – für die zweite Liga, die ProA. Eine Wildcard, einen Freifahrtschein, lehnt man ab. Der FCBB steigt 2011 umgehend in die Bundesliga auf und wechselt nach dem Jahr im notdürftig hergerichteten Olympia-Eissportzentrum in die einst dem Verfall preisgegebene Rudi-Sedlmayer-Halle – die historische Halle von 1972 am Münchner Westpark, den damaligen Audi Dome und heutigen BMW Park.

hintere Reihe v.l. Trainer Moss, Grässle, Johnson, Krüger, Reiter, Schneider, Schulz, Kronberger vordere Reihe v.l. : Seehofer, Zeiträg, Egger, Feilner, v.Bredow, Schröder
Die Bayern in der Saison 1967/1968 - am Ende der Saison werden sie Pokalsieger sein. | hintere Reihe v.l. Trainer Moss, Grässle, Johnson, Krüger, Reiter, Schneider, Schulz, Abteilungsgründer Kronberger | vordere Reihe v.l. : Seehofer, Zeiträg, Egger, Feilner, v.Bredow, Schröder | © FCBB

Die feine Idee von Kronberger

Playoff-Viertelfinale, Halbfinale, Endspiel und 2014 bereits der erste BBL-Titel, die Entwicklung in der Neuzeit ist rasant. 59 Jahre nach der letzten Meisterschaft gewinnen die Bayern mit 3:1 Siegen das Playoff-Finale gegen Alba Berlin. Ohne Hoeneß‘ Support folgt noch mal eine kleine Delle, doch die Entwicklung des FCBB lässt sich nicht mehr aufhalten.

In Maxi Kleber und Paul Zipser schaffen zwei Publikumsfavoriten den Sprung in die NBA, 2018 legt man mit dem ersten Pokalsieg seit 50 Jahren den Grundstein fürs erste Double. 2021 erreicht der FCBB als erstes deutsches Team die Playoffs im höchsten europäischen Wettbewerb, der EuroLeague (in welcher er inzwischen Anteilseigner ist); im Jahr darauf noch einmal, und erneut wird das Final Four und damit die ultimative Sensation nur hauchdünn verpasst, diesmal mit einem 2:3 gegen den FC Barcelona.

Seit anderthalb Jahren spielen die Bayern jetzt auch im SAP Garden, einer der modernsten Hallen Europas im Olympiapark. Und im BMW Park seitdem auf einem LED-Videoboden. Die Bayern haben ihre Heimatstadt, für viele synonym mit Fußball, auch „in eine Basketballstadt verwandelt“, wie OB Dieter Reiter beim BMW TOP FOUR noch einmal herausstellte.

Was für ein Weg einer Abteilung, die sich, wie das Land, aus Trümmern erhob; damals vor 80 Jahren, als Franz Kronberger und die anderen Pioniere eine feine Idee hatten.

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