



CL-Halbfinal-Hinspiel in der Allianz Arena
Fr. | 24.04.26 | 13:15
„Unsere Fans werden ein wichtiger Faktor“ – Sarah Zadrazil über den Showdown Bayern gegen den FC Barcelona
Es sind diese gewissen Abende, die sich selbst tragen. Wenn die FC Bayern Frauen im Halbfinal-Hinspiel der Champions League am Samstagabend auf den FC Barcelona treffen (hier noch Tickets sichern, zudem im kostenfreien Liveticker und Webradio), verdichtet sich vieles: sportliche Entwicklung, institutioneller Anspruch, individuelle Geschichten. Der Gegner ist nicht irgendeiner, sondern ein dreimaliger Champions-League-Sieger, ein Team, das den europäischen Frauenfußball in den vergangenen Jahren geprägt hat wie kaum ein anderes.
Es ist die allerletzte Station auf dem Weg zu einem möglichen Finale. Mehr Kontext braucht es eigentlich nicht. Und doch gibt es ihn, diesen zusätzlichen Blickwinkel. Er gehört unter anderem Sarah Zadrazil. Denn sie ist eine derjenigen, die an diesem Abend nicht auf dem Platz dabei sein kann, sondern ihre Mannschaft lautstark von der Tribüne aus unterstützen wird.

Ein Kreuzbandriss hat sie im vergangenen Jahr außer Gefecht gesetzt, zumindest physisch. Seither arbeitet die Nummer 25 der Münchnerinnen akribisch an ihrem Comeback. „Mir geht es wirklich gut, in der Reha läuft alles wie geplant und ich komme richtig gut voran“, sagt sie. „Ich bin immer mehr am Platz, mein nächster Step wird es sein, bei der Mannschaft integriert zu werden.“ Schritt für Schritt, kontrolliert, ohne Eile, aber mit klarer Zielrichtung arbeitet sich die Österreicherin zurück. Am Samstag selbst wird sie aber auf der Tribüne sitzen, näher dran als jede Zuschauerin und doch weiter entfernt als jede Mitspielerin auf dem Feld. Zadrazil wird beobachten, analysieren, mitgehen, ja ein Teil des Spiels sein, ohne eingreifen zu können.
Erinnerungen an London 2021
Zadrazil ist eine der Akteurinnen im Münchner Kader, die wissen, wie sich ein Halbfinale auf dieser Ebene anfühlt. 2021 war sie dabei, damals gegen Chelsea. „Ich erinnere mich echt gut an das Spiel. Es waren Duelle auf Augenhöhe, und am Ende haben leider ein paar Kleinigkeiten den Unterschied gemacht.“ Das Hinspiel gewannen die Münchnerinnen am Campus noch mit 2:1, im Rückspiel in der englischen Metropole sah es zumindest zu Beginn so aus, als könnte es klappen, mit dem ersten Finaleinzug.
Denn da war dieses Tor. Ihr Treffer. Ein Traumtor im Halbfinal-Rückspiel. Die Österreicherin zog nach einem Eckball mit voller Wucht aus der Distanz ab, hämmerte den Ball unhaltbar unter die Querlatte zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. „Dieser Treffer in London war etwas ganz Besonderes für mich. Wir waren so knapp dran an einem Finale“, sagt sie. Am Ende sollte es nicht reichen, auch weil unter anderem Pernille Harder, damals noch für die Blues im Einsatz, traf und Chelsea mit 4:1 siegte.
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Am Wochenende wartet nunmehr das dritte Halbfinale in der Königinnenklasse auf die Münchnerinnen, ein weiterer Meilenstein in der jüngeren Vereinsgeschichte. Für Zadrazil ist die Einordnung des Spiels eindeutig. „Wenn ich an diese Partie gegen Barcelona denke, dann ist das ein absolutes Highlight-Duell. In solchen Spielen braucht es unser bestes Niveau, gerade gegen dieses Team. Man darf sich wenig bis keine Fehler erlauben, weil genau diese Kleinigkeiten entscheiden. Es kommt einfach auf diese zwei Spiele an, in denen wir unsere gesamte Qualität, unsere Leidenschaft und unseren Teamgeist auf den Platz bringen müssen.“

Wenn sie über Barcelona spricht, dann ohne große Relativierungen. „Für mich sind sie aktuell die wohl beste Mannschaft in Europa. Vor allem ihr Spiel mit dem Ball ist außergewöhnlich. Sie sind so dominant, dass du oft kaum Ballbesitzphasen hast, weil du nur mit dem Verteidigen beschäftigt bist.“ Die Gegenstrategie formuliert die Österreicherin präzise: „Wir müssen die Räume eng machen, kompakt stehen und wenig zulassen.“
Gleichzeitig erinnert sie an eine Erfahrung, die Mut macht und als Orientierung dienen kann: den 3:1-Sieg gegen Barcelona in München im Jahr 2022, ebenfalls in der Allianz Arena. „Wir haben damals extrem kompakt verteidigt, wenig zugelassen und unsere Umschaltsituationen genutzt. Dieser Abend war besonders, den habe ich noch genau vor Augen.“ Daraus entsteht zwar kein fertiges Erfolgsrezept, aber ein wichtiger Referenzwert. Ein Beweis dafür, dass Barcelona zu schlagen ist, wenn wirklich alles zusammenpasst.
Allianz Arena als entscheidendes Puzzleteil
Die Allianz Arena wird an diesem Abend einmal mehr mehr sein als nur ein Stadion, sie wird zur Bühne und zum Stimmungsbollwerk für die Münchnerinnen. Alle der drei bisherigen Duelle im Münchner Norden in dieser Saison sorgten für Furore, man denke nur an den jüngsten Last-Minute-Sieg gegen Manchester United. „Die Fans werden ein ganz wichtiger Faktor für uns, so wie schon die ganze Saison über“, so die Österreicherin. „Wenn wir sie im Rücken haben, hilft uns das, die Extrameter zu gehen, mehr in die Zweikämpfe zu kommen. Das kann uns durchs Spiel tragen“, sagt Zadrazil und verweist auf die Energie, die von den Rängen auf die Mannschaft überspringen kann.
Kompany: „Macht einfach Spaß zuzuschauen“

Auch bei den Männern, die wie die Frauen jüngst die Deutsche Meisterschaft errungen haben und ebenso im Pokal-Endspiel sowie im Halbfinale der Champions League stehen, wird dieses Spiel aufmerksam verfolgt. Innerhalb des Clubs formt sich so das Bild zweier Mannschaften, die sich auf höchstem Niveau parallel durch eine Saison mit Titelchancen bewegen. Vincent Kompany formuliert diese Verbundenheit erst kürzlich auf der Pressekonferenz vor dem Pokal-Halbfinale in Leverkusen: „Als Familie schauen wir schon sehr lange Frauenfußball, wir haben während meiner Zeit in Manchester auch immer bei den Frauen zugesehen. Wir sind hier auch schon drei-, viermal zu den Spielen der Bayern-Frauen gegangen. Es macht einfach Spaß zuzuschauen.“ Weiter formuliert der Cheftrainer der Männer: „Die Qualität gegen Barcelona wird das höchste in Europa sein, sind sind sehr, sehr stark im Frauenfußball. Ich hoffe, dass die Allianz Arena ausverkauft ist, das sollte so sein für dieses Spiel, das ist meine Meinung. Hoffentlich bekommen wir ein bisschen das Momentum mit von unseren Frauen. Wir schauen uns das auf jeden Fall an.“

Sportvorstand Max Eberl betrachtet das Halbfinale vor diesem Hintergrund als Teil eines größeren Zusammenhangs. Für ihn steht nicht nur ein einzelnes Spiel im Fokus, sondern die Gesamtentwicklung des Vereins: „Es macht Spaß, wenn man im Klub so viel Erfolg hat, sich gegenseitig motiviert und unterstützt. Dass für beide das Triple möglich ist, macht Spaß und Freude.“
Stabilität, Kaderbreite & Anspruch: Zadrazils Blick auf ihr Team
Zadrazil selbst blickt voller Vorfreude, aber auch Selbstbewusstsein auf den Showdown am Samstagabend. „Ich glaube, dass uns in dieser Saison eine unglaubliche Stabilität auszeichnet.Wir haben ganz, ganz wenige Aktionen, in denen wir nicht auf unserem höchsten Niveau sind.“ Hinzu kommt die Tiefe des Kaders: „Es macht oft keinen großen Unterschied, wer am Platz steht.“ Das Halbfinale ist für sie daher weniger Überraschung als Konsequenz, und dennoch bleibt der Realismus. „Wir haben uns das mit Sicherheit verdient. Wir wissen aber auch, dass es extrem schwierig wird. Barcelona wird uns alles abverlangen, sowohl im Hin- als auch im Rückspiel.“
Was bleibt, ist ein vorsichtig formulierter Anspruch: „Wir haben unsere Qualitäten.“ Und schließlich ein Ziel, das sie nicht ausschmückt: „Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft alles dafür geben wird, dass wir das erste Mal in ein Champions-League-Finale kommen.“ Kein Versprechen, aber ein Traum, der in der gesamten Mannschaft lebt.
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