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Interview mit Nachwuchsleiter

Sauer: „Haben einen großen Schritt gemacht“

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Ein enorm intensives aber zugleich sehr erfolgreiches Jahr liegt hinter der Nachwuchsabteilung des FC Bayern. Neben dem langersehnten Aufstieg der Amateure des Rekordmeisters in die 3. Liga sorgten nicht zuletzt die starken Debüts von Sarpreet Singh, Leon Dajaku und besonders Joshua Zirkzee für Aufsehen. fcbayern.com sprach mit Nachwuchsleiter Jochen Sauer über die vergangenen Monate.

Das Interview mit Jochen Sauer

fcbayern.com: Herr Sauer, wie groß war bei Ihnen die Freude über das äußerst erfolgreiche Bundesliga-Debüt von Joshua Zirkzee?
Sauer: „Ich denke, die war bei allen am Campus, die Joshuas bisherigen Weg bei uns begleitet haben, groß. Joshua ist ein großes Stürmertalent, deswegen haben wir ihn vor zweieinhalb Jahren von Feyenoord Rotterdam nach München geholt. Er ist ein Stürmertyp, den es heute nicht mehr so oft gibt: groß, athletisch, aber trotzdem technisch stark. Um ihn besser zu fördern, haben wir ihn schon zu Jahresbeginn zu den Amateuren hochgezogen. Ich freue mich, dass er in Freiburg und gegen Wolfsburg der Mannschaft zu einem Sieg verholfen hat, aber es muss ihm klar sein: Das war erst ein erster kleiner Schritt auf dem Weg zum Profi. Er muss weiter hart an sich arbeiten. Wenn er das tut, dann traue ich ihm einiges zu – auch beim FC Bayern.“

Auch Sarpreet Singh und Leon Dajaku haben ihre Bundesligadebüts gefeiert. Was bedeuten diese Einsätze für die Arbeit am FC Bayern Campus?
„Sie sind zum einen eine Auszeichnung für die Arbeit aller Trainer, Physios, Betreuer und Verantwortlichen am Campus, aber auch eine große Motivation für alle unsere Talente, es diesen Jungs nachzumachen. Der Weg zu unseren Profis ist eine große Herausforderung und schwer, aber er ist machbar. Am Ende liegt es immer am Spieler selbst, ob er bereit ist, alles für dieses große Ziel zu geben. Talent alleine reicht jedenfalls nicht aus – generell im Fußball und speziell beim FC Bayern.“

 

Der Neuseeländer Sarpreet Singh wurde beim 6:1-Heimsieg der Profis gegen Werder Bremen für Philippe Coutinho eingewechselt.

Zirkzee, Singh und Dajaku trainieren seit einigen Wochen überwiegend mit den Profis, genau wie Oliver Batista-Meier. Lukas Mai, Christian Früchtl und Ron-Thorben Hoffmann gehören schon zum erweiterten Kader. Haben sie die Hoffnung, dass bald keiner mehr über David Alaba als das letzte Eigengewächs spricht, das den Sprung zu den Profis geschafft hat?
„Mit dieser klaren Zielsetzung wurde der FC Bayern Campus errichtet und eröffnet. Der Verein hat sich dieses neue Nachwuchsleistungszentrum einiges kosten lassen, um eben wieder regelmäßig eigene Talente in die Allianz Arena zu bringen. Und ich denke, dafür haben wir in den vergangen 2,5 Jahren, die ich nun hier bin, vieles auf den Weg gebracht.“

Lassen sie uns auf die zurückliegenden Monate bei den Campus-Teams zurückblicken. Die Amateure gehen nach dem Aufstieg in die 3. Liga mit 23 Punkten in die Winterpause. Kann man damit zufrieden sein?
„Wir sind mit unserem jungen Team besser als erwartet in die Saison gestartet und haben offensiv sehr gute Spiele gemacht. Zum Ende der Hinrunde haben wir uns aber auch zu viele leichte Fehler in der Defensive geleistet und einige sichere Punkte verschenkt. Wenn es vier Punkte mehr geworden wären, dann wäre es eine perfekte Hinrunde gewesen. Mit 23 Punkten müssen wir weiterhin in jedem Spiel alles herausholen. Dann bin ich aber sehr zuversichtlich, dass wir unser Saisonziel Klassenerhalt erreichen werden.“

Die U19 hat unter dem neuen Trainerduo Martín Demichelis und Danny Schwarz vor allem in der Youth League zu überzeugen gewusst - in der Bundesliga ist man auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze.
„Die Erfahrung des internationalen Wettbewerbs ist für alle Spieler in der U19, wo es immer mehr darum geht, Profi zu werden, sehr wichtig. Auf nationaler Ebene spielen unsere Jungs seit Jahren fast immer gegen dieselben Mannschaften und dieselben Spieler in ihrer Bundesliga-Staffel. International treffen wir teilweise auf Mannschaften, bei denen man keinen Spieler kennt. Da weiß man nicht, was auf einen zukommt. Diese Herausforderung ermöglicht den Spielern, den nächsten Schritt zu machen. Deswegen sind wir sehr froh und glücklich, auf sehr überzeugende Art und Weise in die K.o.-Runde der Youth League eingezogen zu sein. Auch in der Bundesliga hat das Team noch alle Möglichkeiten. Danny und Micho haben mit ihrem Team wirklich sehr gute Arbeit geleistet.“

Unsere U17 hat im letzten Spiel vor der Winterpause noch mal ein Ausrufzeichen gesetzt, indem das Topteam aus Hoffenheim geschlagen wurde. Sehen sie Miro Klose und seine Mannschaft auf Kurs?
„Mit dem Sieg gegen Hoffenheim haben wir uns die Chance erhalten, den Titel als Süddeutscher Meister erneut zu verteidigen. Mit den sehr starken Teams aus Mainz und Hoffenheim gehen wir in der zweiten Saisonhälfte in einen Dreikampf um die Spitze. Insgesamt können wir zufrieden sein, wie es gelaufen ist. Was ich aber nochmal ausdrücklich betonen möchte: Es ist schön, wenn eine Mannschaft Spiele gewinnt, aber für den FC Bayern geht es in erster Linie darum, unsere Spieler weiterzuentwickeln und auf das nächste Level vorzubereiten. Und ich glaube, da haben wir in diesem Jahr nochmal einen großen Schritt nach vorne gemacht, denn vier Spieler der U17 haben wir bereits zur U19 hochgezogen, dafür stehen, wie in der Vorsaison, wieder einige jüngere Jahrgänge aus der U16 regelmäßig in der Anfangself der U17. Die individuelle Weiterentwicklung muss immer vor den Spielergebnissen stehen!“

Spieler in eine ältere Mannschaft einzusetzen – ist das ein Mittel, Toptalente besser zu fördern?
„Ja, davon sind wir am Campus überzeugt und praktizieren das auch gerade bei den Leistungsmannschaften ab der U16 bis hoch zur U23, wo teilweise drei oder vier A-Junioren in der Startelf stehen. Die Jungs werden ganz anderen Reizen ausgesetzt und vor höhere Herausforderungen gestellt. Sie müssen immer alles geben, um athletisch und fußballerisch mitzuhalten, sie können sich nicht zurücklehnen. Somit können sie sich schon früher an die Anforderungen im Männerfußball gewöhnen. Und da wollen wir sie hinbringen.“

Auch die anderen U-Teams können auf eine erfolgreiche Hinrunde zurückblicken. Wer hat sie trotzdem am meisten überrascht?
„Man kann hier eigentlich keine Mannschaft oder einzelne Spieler hervorheben. Es ist aber schön zu sehen, dass ausnahmslos alle Spieler, die wir einen Jahrgang nach oben geschoben haben, diese Herausforderung hervorragend gemeistert haben. Fast alle Spieler haben sich bereits in den ersten Wochen der Saison einen Stammplatz in ihren Teams erarbeitet.“

Hermann Gerland ist seit Herbst wieder als Co-Trainer bei den Profis im Einsatz. Vermissen Sie den „Tiger“ in der täglichen Arbeit?
„Hermann ist nicht wirklich weg vom Campus. Wir telefonieren täglich und an jedem freien Tag bei den Profis schaut er hier nach den Mannschaften und treibt seine Themen mit Nachdruck voran. Außerdem kann er nun an der Säbener Straße noch besser den Kontakt zu Sebastian Hoeneß und unseren Amateuren pflegen. Darüber hinaus bin ich mir sicher, dass er unsere Talente im Profitraining ganz besonders im Fokus hat und stets unterstützend und regulierend einwirken wird.“

Mit Holger Seitz ist seit Sommer Verstärkung im Bereich sportliche Leitung dazugekommen. Was waren die Themen, die von ihm vorangetrieben wurden?
„Die Zusammenarbeit mit Holger verläuft hervorragend. Wir kennen uns ja auch schon seitdem ich hier bin. Holger kennt das Trainerleben in einem Nachwuchsleistungszentrum, er kümmert sich zum Beispiel um die Koordination in der täglichen Zusammenarbeit unserer Coaches, bringt sich stark bei der Individualisierung der Trainingsarbeit ein und ist auch speziell in der Kaderplanung aller Mannschaften involviert. Für Hermann und mich ist er eine große Unterstützung.“

Zum Schluss natürlich die Frage: Was wünscht sich der Nachwuchs-Chef des FC Bayern für das Jahr 2020?
„Es bleibt das große Ziel, Spieler für unsere Profimannschaft auszubilden. Daher würden wir uns selbstverständlich riesig über weitere Einsatzzeiten für unsere Jungs freuen. Die Entwicklung der letzten Wochen zeigt darüber hinaus, dass unsere jungen Talente erkennen, dass es beim FC Bayern definitiv möglich ist, Profi zu werden. Das wollen wir weiter forcieren. Von enormer Bedeutung ist für uns auch, dass sich die U23 in der 3. Liga hält und die U19 international in der Youth League noch die eine oder andere Runde weiterkommt.“

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