
Die Playoffs 2026 stehen vor der Tür: Wie in bislang jeder Saison seit dem Bundesliga-Aufstieg 2011 geht es für die Bayern-Basketballer auch nach der Hauptrunde weiter. Dabei war nur in der Premierenspielzeit direkt im Viertelfinale Schluss, seit 2013 standen die Bayern jedes Mal in der Vorschlussrunde oder in den BBL-Finals – kein Team in der Liga kann auf einen ähnlichen Lauf verweisen, nur Berlin konnte sich in dieser Zeit ebenso jedes Mal für die Playoffs qualifizieren.
Nicht überraschend also, dass es in diesen Jahren spezielle Momente und Vorgänge gab, die sich tief ins Gedächtnis eingebrannt haben. Wir haben ein paar prägende Meilensteine herausgesucht, an die wir uns noch heute erinnern.

2025 – Voigtmanns Dreier gegen Ulm
Die Finalserie gegen Ulm ist so eng, wie sie nur sein kann: Nachdem das Team von Gordon Herbert an der Donau den ersten Matchball der bayerischen Schwaben souverän abwehren kann (67.53), ist der SAP Garden in Nullkommanix ausverkauft für Spiel 5. Doch auch mit den 11.500 Fans im Rücken gelingt es bis in die Schlussphase der Partie nicht, die Ulmer abzuschütteln. Im Gegenteil: Durch Justinian Jessup holen sich die Orangenen zweieinhalb Minuten vor dem Ende sogar die 75:73-Führung.
Doch die Bayern können auf einen Weltmeister setzen: Im direkten Gegenzug netzt Johannes Voigtmann erst vom linken Flügel ein, um die Führung zurückzuholen. Dann klaut Lucic Jessup den Ball, Weiler-Babb und Voigtmann laufen ein Pick-and-Pop auf dem rechten Flügel . . . und als sich Voigtmanns Ball ins Netz senkt, rastet die Halle kollektiv aus. 79:75, 74 Sekunden später sind die Bayern erneut Meister.

2024 – Bayern is back!
Nach dem Titel 2019 folgten fünf Jahre in denen es wenig zu feiern gab. Stattdessen gewannen ausgerechnet die Berliner ein paar Mal zu oft für den Münchener Geschmack im Westpark am Ende Titel. 2024 waren die Bayern dann aber kaum aufzuhalten: Nach Seriensiegen über Ludwigsburg und Würzburg gibt es im ersten Finalspiel gegen Berlin ein souveränes 79:67, ehe die Berliner im zweiten Spiel das Heimrecht des im 2-2-1-Modus ausgetragenen Finales klauen. Das dritte Finale an der Spree ist ein knappes 67:63 für den FCBB, ehe im vierten Spiel 29 Punkte von Carsen Edwards den lang ersehnten Titel bedeuten. Mit Medaille und Netz um den Hals genießt Kapitän Vladimir Lucic am Ende seine Siegeszigarre in der Dusche der Gästekabine.

2019 – Die perfekten Playoffs
Moses Malone prophezeite vor den Playoffs 1983, dass seine 76ers mit den Gegnern in den NBA-Playoffs kurzen Prozess machen würden: „Fo‘, Fo‘, Fo‘“, also 4:0 in allen drei Serien erwartete die Center-Legende. Am Ende wurde es für Philadelphia „Fo‘, Fi‘, Fo‘“, da man gegen Milwaukee ein Spiel abgab, dennoch ist der Ausspruch heute noch NBA-Folklore. Besser machten es die Bayern 36 Jahre später: Nachdem man die Hauptrunde mit 31:3 Siegen deutlich als Tabellenführer abgeschlossen hatte, ließ die Mannschaft um Danilo Barthel, Nihad Djedovic und Vladimir Lucic keine Zweifel an der Titelverteidigung aufkommen: Braunschweig im Viertelfinale, Vechta im Halbfinale und am Ende Berlin, alle wurden 3:0 besiegt.
Nur den passenden Spruch dazu gab’s nicht, „Drei, drei, drei“ klingt einfach nicht so schön.

2018 – Frankfurt wird fast zum Stolperstein
Ein Jahr zuvor ist es deutlich knapper: Auch in diesem Jahr waren die Bayern mit 31:3 Siegen durch die Hauptrunde gepflügt, doch gleich im zweiten Spiel der Viertelfinalserie gegen Frankfurt wurden die Bayern von einer 69:75-Auswärtsniederlage überrascht. Aber das schien noch nicht Warnung genug zu sein: Wenige Tage später war es der kanadische Nationalspieler Phil Scrubb, der per Dreier acht Sekunden vor dem Ende die Hessen schon wieder auf die Siegerstraße brachte. Plötzlich standen die Roten mit dem Rücken zur Wand.
Nun war das Team bei der Ehre gepackt: Vor den Augen von Uli Hoeneß ein mehr als souveränes 85:50 am Main statt des K.o., gefolgt von einem 90:70 im entscheidenden fünften Spiel zuhause – die Serie war zu und zugleich das perfekte Training für die fünfte Partie der Finalserie wenige Wochen darauf. Als man unter Druck gegen Berlin mit dem einem triumphalen 106:85 den Titel holte.

2014 – Heiko verbeugt sich
Wer als Spätgeborener Heiko Schaffatzik nur noch als Ausnahmeerscheinung unter den TV-Kommentatoren, Darsteller in Waschmittel-Werbespots und Poet bei der BMW Night of the Legends kennt, mag glauben, er sei ein ziemlicher Hallodri. Wer den heute 42-Jährigen noch auf dem Court erlebt hat, weiß dagegen, dass er zwar ein Hallodri ist – aber einer mit einem zerstörerischem Distanzwurf.
Beim Karriereende stehen später acht BBL-Teams in seiner Vita, zusätzlich zu 115 Spielen im DBB-Trikot. Und eben ein Meistertitel mit den Bayern, der erste BBL-Titel überhaupt.
2013 war er, der gebürtige Berliner, von der Spree an die Isar gezogen, was bei den Anhängern der Hauptstädter nur für mäßige Begeisterung gesorgt hatte. In ihrem Zorn errichteten sie gar abenteuerliche Konstruktionen, um ihn zu schmähen und ihm das Berliner-sein abzusprechen. Schaffartzik nahm dies und auch die Polemik alter Gefährten als Motivation, legte in den vier Finalspielen 11,5 Punkte im Schnitt auf und traf 53,3 Prozent seiner Würfe von draußen.
Vier Distanztreffer sind es allein im Schlussviertel des vierten Spiels, er bringt die Bayern auswärts auf die Siegerstraße zur ersten Meisterschaft seit 1955. Und als Svetislav Pesic ihn 37 Sekunden vor dem Ende auf die Bank beordert, nimmt Schaffartzik sich ein paar Sekunden Zeit, verbeugt sich im Mittelkreis höflich in alle Richtungen, um sich für die treffliche Berliner Motivation zu bedanken. Legendär, für immer.