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Jubiläum

15 Jahre Allianz Arena: Willkommen in unserem Wohnzimmer!

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Mit dem Bau der Allianz Arena hat der FC Bayern Einzigartiges geschaffen – die 340 Millionen Euro Investment haben sich längst bezahlt gemacht. Seit 15 Jahren rollt nun im neuen Stadion schon der Ball. „51“ beleuchtet die Anfänge des Mammutprojekts.

Es war eine Sensation. Uli Hoeneß hatte sich vor diesem Gespräch genau informiert – und nichts Erbauliches zu hören bekommen. So einen Termin wie ihn der damalige Manager des FC Bayern haben wollte, bekam man mit Glück nach einem Jahr Wartefrist, und in seinem Fall, so hieß es bei vertraulichen Vorgesprächen, werde es so ablaufen: Er würde höflich empfangen, einen Kaffee bekommen und ein Zeitfenster von gut 15 Minuten. Dann würde es heißen, Danke, wir besprechen das und melden uns. Und dann würde er nach 14 Tagen eine Absage erhalten. Die Geschichte sollte dann aber anders laufen.

Beckenbauer bricht das Eis

Bei der Meisterfeier 2016 verbrachten Uli Hoenß und Franz Beckenbauer einmal mehr einen wunderbaren Nachmittag in der Allianz Arena. Viele Jahre zuvor haben diese beiden den Bau des neuen Stadions erst möglich gemacht.

Als Hoeneß in den heiligen Hallen der Allianz bezüglich einer Partnerschaft beim Bau einer Fußballarena vorstellig wurde, wusste er: Auf große Fans würde er im Büro des damaligen Vorstandsvorsitzenden Henning Schulte-Noelle nicht treffen. Aber es war ein launiger Tag, Hoeneß war gut vorbereitet – und hatte zudem Franz Beckenbauer dabei. Der „Kaiser“ sorgte auf seine unnachahmliche Art gleich zu Beginn für Entwaffnung. „Meine Herren“, eröffnete er dem elitären Führungszirkel, „Sie können alle froh sein, dass ich Fußballer geworden bin.“ Als er in verdutzte Gesichter blickte, klärte er auf: „Na, ich hab‘ hier einst meine Lehre gemacht. Und wäre ich geblieben, säße ich jetzt auf einem Ihrer Stühle.“

Arena-Traum ein greifbarer Nähe

Nach dem Gespräch mit der Allianz konnte man lediglich erahnen, welche Schöhneit 2005 im Norden Münchens entstehen würde.

Das Gespräch dauerte nach diesem charmanten Eisbrecher letztlich nicht die prognostizierten 15 Minuten. Sondern mehrere Stunden. Und am Ende staunte die Belegschaft, dass der Vorstandsvorsitzende höchstpersönlich Hoeneß und Beckenbauer vom fünften Stock bis zum Ausgang begleitete. „Ich hatte viele schlaflose Nächte wegen dieser Arena“, sagt Hoeneß, „ich habe viel Herzblut reingesteckt. Aber nach diesem Tag wusste ich: Big Brother is helping us. Wir würden unseren Fans diesen großen Traum ermöglichen.“

Kein Umbau des Olympiastadions

Das Münchner Olympiastadion bot den Bayern von 1972 bis 2005 eine Heimat. Zahlreiche Erfolge wurden in diesem legendären Stadion gefeirt. Da ein Umbau nicht in Frage kam, entschied man sich für einen Neubau in Fröttmaning.

Es war eine schwere Geburt, erinnert sich Karl-Heinz Rummenigge, „keine Zangengeburt – aber es ist ein prächtiger Bursche daraus entstanden“. Der Vorstandsvorsitzende erinnert sich genau an den Tag, als man mit Günter Behnisch, dem Architekten des Münchner Olympiaparks, die damalige Heimat des FC Bayern wegen eines möglichen Umbaus besichtigte. „Er stand auf einem Hügel und visierte das Stadion über seine Hand an. Nach einer Weile fragte ich: ,Was machen Sie da?‘ Er sagte, ein Umbau sei keine Option. Mit diesem Veto war der Weg bereitet, ein eigenes Stadion zu bauen.“ 

Testlauf mit Legenden-Derby

30.000 Fans kamen zum ersten Spiel in die Allianz Arena. Mehr waren zu diesem Testlauf nicht zugelassen. dabei standen sich die Bayern und Lokalrivale 1860 gegenüber.

Drei Jahre später rollte erstmals der Ball in der Allianz Arena. Am 19. Mai 2005 kamen 30.000, das bedeutete ausverkauft, mehr Zuschauer waren zum Testlauf nicht zugelassen. Auf dem Rasen standen sich die Legenden-Teams des FC Bayern und des TSV 1860 gegenüber, die Arena gehörte damals beiden Vereinen. „Es war unglaublich – die eine Tribüne Rot, die andere Blau, du hattest Gänsehaut“, erinnert sich Peter Pacult, „für uns war es kein normales Oldie-Spiel, bei dem es nur darum ging, die Zuschauer zu beglücken. Da war mehr Ernst dabei. Schon in der Kabine war klar. Heute gilt: Verlieren verboten.“

Verschmerzbare Niederlage für den FCB

Der allerallererste Torschütze war in Pacult tatsächlich ein 60er. Diagonalpass von Bernhard Trares, er stoppt die Kugel mit der Brust – „und dann hab‘ ich ihn einiblattlt“, erzählt der Österreicher. „Danach haben die Bayern sauber aufdraht, Rummenigge mit seinem Bruder Michael, Wiggerl Kögl ist die Seiten aufzog’n, Hansi Flick hat die Bälle abg’fangen – aber Lothar Matthäus hat noch einen Elfmeter verschossen, am Ende haben wir 3:2 gewonnen.“ Rummenigge nimmt die Sache mit Humor: „So haben die Sechziger wenigstens einmal gegen uns in diesem Stadion gewinnen dürfen. Es lag auch weniger an der Qualität, denn die namhaftere Elf hatten wir – aber die Löwen waren ein anderes Baujahr, alle im Schnitt zehn Jahre jünger.“

Neuer Fußballtempel in München

Für den heutigen Vorstandsvorsitzenden war das Ergebnis bei diesem Spiel Nebensache. „Wir waren an dem Tag alle so wahnsinnig stolz – und ich stand da unten, auf dem Rasen… ich war 49 Jahre alt und dachte: Wenn ich jetzt noch einmal meine Karriere starten könnte, das wäre der perfekte Lebenstraum.“ Mit der Allianz Arena sei der FC Bayern „in eine ganz neue Liga vorgestoßen“, so Rummenigge. „In den 80ern, 90ern, haben wir Mailand, Madrid und Manchester immer für ihre Arenen bewundert. Jetzt hatten wir unseren eigenen Fußballtempel. Es ist ein Meilenstein.“  

Feierliche Eröffnung gegen die Nationalmannschaft

Beeindruckende Choreographie! mit einem Freundschaftsspiel gegen die Deutsche Nationalmannschaft wurde die Allianz Arena am 31. Mai 2005 eröffnet.

Das offizielle Eröffnungsspiel des FC Bayern war gegen die Nationalmannschaft, da traf Sebastian Deisler im Münchner Dress. Herbert Hainer flog damals extra für diese Partie aus London ein. Der heutige Präsident war als adidas-Chef ein weiterer elementarer Impulsgeber für das Stadion. „Wir hatten etliche Sitzungen bis tief in die Nacht, wie wir uns als Anteilseigner beteiligen“, erzählt er, „im Grunde haben wir uns alle ein Wohnzimmer gebaut – für den Verein, für die Fans, einen Ort, an dem man sich einfach wohlfühlen kann.“

Tor-Premiere für Roy Makaay

Kein Traumtor aber ein spezieller Treffer. Roy Makaay erzielte gegen Timo Hildebrand und den VfB Stuttgart das erste Pflichtspieltor des FC Bayern in dern neuen Arena.

Den ersten FCB-Treffer in einem offiziellen Pflichtspiel erzielte Roy Makaay am 26. Juli 2005 im Halbfinale des Ligapokals gegen den VfB Stuttgart: Flanke Bastian Schweinsteiger, Kopfball aus elf Metern, Torwart Timo Hildebrand rutscht der Ball durch die Beine. „Ein schönes Tor“, sagt der Niederländer heute mit Augenzwinkern, „war nicht unser Tag – ich habe noch einen Elfer verschossen und wir verloren 1:2.“ Makaay liebte die Arena vom ersten Tag an, „obwohl auch das Olympiastadion Charme hatte. Mir hat immer gefallen, wie die Fans durch den Park zum Stadion sind, wir konnten das vom Bus aus sehen.“ Dennoch sei die Allianz Arena „immer schöner geworden: Größer, dabei so eng und laut, das war eine Umstellung für uns Spieler. Ich denke, es ist immer schwer, wenn ein Verein das Stadion wechselt, die Identität der Fans mitzunehmen. Aber das Gefühl wurde hier sogar noch ausgebaut.“

Stolz des FC Bayern

Hoeneß muss heute lächeln, wenn er über seinen Spruch denkt, er werde einen Defiliermarsch durchs Stadion anführen, wenn 1860 auszieht. Sowas müsse man „auch mit einem Augenzwinkern sehen“, sagt er, „ich war nie ein Feind der 60er. Aber sie haben die Arena immer als Klotz am Bein betrachtet. Dabei ist es in Wahrheit eine Goldgrube. Ich war bei der Eröffnung stolz wie Bolle.“ Man müsse Franz Beckenbauer bis heute danken, dass er die WM 2006 nach Deutschland geholt hat: „Sonst hätten wir dieses Stadion nie genehmigt bekommen.“

Ein Aushängeschild Münchens

Nach dem Auszug des TSV 1860 gestaltete der FC Bayern die Allianz Arena im Sommer 2018 komplett um und machte sie zu seinem Stadion.

Hoeneß: „Das Konzept ist genial, die Allianz Arena ist ein wunderschönes Aushängeschild der Stadt.“ Wenn er vor einem Spiel die Rolltreppen nach oben fährt, „denke ich immer wieder: Mensch Meier, dieses Stadion ist eine Meisterleistung. Auch nach 15 Jahren sieht es aus, als wäre es gestern erst eingeweiht worden. Es gibt kein besseres Stadion auf der Welt.“ Im Grunde war es ja schon vor dem ersten Anpfiff: eine Sensation.

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