Wilhelm Neudecker und der Beginn der neuen Bayern-Zeitrechnung

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Wohin der Weg seines Vereins noch gehen sollte, konnte Wilhelm Neudecker an jenem 28. April 1962 wohl nur erahnen. Auf den Tag genau vor 58 Jahren übernahm der Bauunternehmer zunächst nur kommissarisch das Amt des Präsidenten des FC Bayern München -- es wurde die vielleicht erfolgreichste Ära in der Klub-Geschichte, und der FC Bayern unter seiner Ägide zur damals vielleicht besten Fußballmannschaft der Welt.

Der erste Meilenstein: Wilhelm Neudecker (mittlere Reihe, fünfter v. re.) inmitten der jungen Aufstiegsmannschaft um Franz Beckenbauer (obere Reihe Mitte), Gerd Müller (mittlere Reihe, Dritter v. li.) oder Sepp Maier (untere Reihe, Dritter v. re.).

Vom Bundesliga-Aufstieg zum Weltpokal

Doch das war Anfang der Sechziger Jahre noch Zukunftsmusik: Der heutige Rekordmeister kickte bei Neudeckers Amtsübernahme noch in der Oberliga. Als in der Saison darauf die Bundesliga an den Start ging, bekam der Stadtrivale TSV 1860 München den Vorzug und für den FCB ging es in der neugegründeten Regionalliga weiter. Große Transfers waren so nicht möglich, weshalb Neudecker -- damals als Vereinspräsident noch maßgeblich für Spielereinkäufe verantwortlich -- auf junge Talente setzte und die Weichen für eine goldene Ära stellte:

Er verpflichtete Trainer Zlatko Tschik Čajkovski sowie die Jungen Wilden um Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Sepp Maier -- später auch Coach Udo Lattek und Profis wie Uli Hoeneß, Paul Breitner oder Karl-Heinz Rummenigge, die das Fundament für eine unvorstellbare Erfolgsgeschichte bildeten: Nach dem Bundesliga-Aufstieg 1965 folgte der Triumph im DFB-Pokal 1966 und wieder nur ein Jahr später der Erfolg im Europapokal der Pokalsieger. Am Ende seiner 17-jährigen Amtszeit sollten noch drei weitere DFB-Pokal-Siege, vier Deutsche Meisterschaften, drei Titel im Landesmeisterwettbewerb sowie der Weltpokal die Vereinsvitrine zieren.

Drei Mal gewann der FC Bayern unter Neudecker den Henkelpott. Auch nach dem Ende seiner 17-jährigen Amtszeit blieb er dem FC Bayern bis zu seinem Tod Ende 1993 eng verbunden.

Modernisierung und Professionalisierung

Neudecker modernisierte aber auch die Infrastruktur des Vereins und ermöglichte so den Aufschwung zur Weltmarke: Mit Robert Schwan installierte er den ersten professionellen Manager im deutschen Fußball, unter ihm wurden Geschäftsstelle und Trainingsgelände an der Säbener Straße zusammengeführt. Zudem wirkte er federführend bei der Gründung der Frauen-Fußball-Abteilung mit -- und all dies nahm seinen Anfang an diesem Dienstag vor 58 Jahren.

In den Siebziger Jahren holte der FC Bayern drei Mal in Folge den Titel im Europapokal der Landesmeister - hier blicken wir auf die legendären K.o.-Spiele aus dieser Zeit zurück.


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